Gemeinsamer Ausflug zum Oktoberfest

Schon am Treffpunkt Wildeckhalle konnte man das Ziel unseres diesjährigen Partnerschaftsausflugs unschwer erkennen. Dirndl, Krachlederne und Filzhüte sorgten gleich am frühen Morgen für heitere Stimmung.Am Münchner Omnibusbahnhof wollten wir uns mit den Teilnehmern aus der Partnerstadt Léhon treffen, die schon tags zuvor, nach anstrengender 18stündiger Fahrt, im gemeinsamen Quartier eingetroffen waren.

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Das trübe Wetter in München tat der Wiedersehensfreude keinen Abbruch und die gemischten Gruppen aus Deutschen und Franzosen, denen man zur Sicherheit gleich noch Erkennungskärtchen umgehängt hatte, machten sich umgehend auf den Weg zum Oktoberfest. Dazu brauchte man sich nur in den Menschenstrom, der in Richtung Wiesn unterwegs war, einzuklinken. Mit dem obligatorischen Gruppenphoto unter der „Bavaria“ begann unser Wiesn-Besuch. Durch beste Beziehungen war Sandrine, die ursprünglich aus Léhon stammt und seit Jahren im Raum München beheimatet ist, das schier Unmögliche gelungen – für uns waren Tische im Zelt der Fischer Vroni reserviert. Ein Teil der Gruppe setzte sich gleich ins Festzelt ab, während der andere Teil Fahrgeschäfte und Budenstraßen erkundete.

Den größten Eindruck hinterließen, neben den Looping-Bahnen, der knapp 70 m hohe Freefall-Tower und das Kettenkarussell, das in 50 m Höhe seine Runden drehte. Weder Deutsche noch Franzosen wollten sich jedoch diesem Nervenkitzel hingeben. Zielstrebig wurde das Festzelt angesteuert. Dort sorgte schon am Nachmittag die Blaskapelle für eine ausgelassene Stimmung und nun konnten auch die restlichen Teilnehmer ihre Erfahrungen mit Maßeinheiten sammeln. Schnell konnten bei unseren französischen Partnern anfängliche Fehlhaltungen der Maßkrüge, die oft zu schmerzhaften Sehnenentzündungen führen können, korrigiert werden.

Die Auswahl der angebotenen Schmankerln auf der Speisekarte war für manche Überraschung gut. Die Hendl für etwas mehr als 10 € wurden grundsätzlich ohne Semmel serviert und beim auf den ersten Blick günstigen Steckerlfisch war die Angabe, dass es sich um 100g-Preise handelt nur schwerlich zu entdecken. Erstaunt stellte man beim Bezahlen fest, dass sich ein Prachtexemplar mit über 400 g auf dem Teller befand. An der Qualität und dem Geschmack gab’s allerdings überhaupt nichts auszusetzten.

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Zahlreiches Zuprosten mit Anheben der Maßkrüge, zusammen mit Schunkeln und Auf- und Nieder- Übungen sorgten für abwechslungsreiche, jedoch ungewohnte Fitnessübungen. Bevor wir uns auf den Weg zu unserem Hotel in Obernberg machten, stand ein kurzer Stadtbummel, der uns über den Marienplatz bis zum Viktualienmarkt führte, auf dem Programm.

Ziemlich groggy traten wir die Fahrt zu unserem Hotel an. Nachdem die Neuankömmlinge ihre Zimmer bezogen hatten, traf man sich zum gemeinsamen vorzüglichen Abendessen. Mit französischen Gesangseinlagen klang der Abend in geselliger Runde aus.

Das reichhaltige Frühstücksbuffet am nächsten Morgen wurde auch von unseren französischen Partnern gerne angenommen und so machten wir uns gut gestärkt auf den Weg zum Chiemsee, wo wir schon von Sandrine erwartet wurden. Die Schifffahrt führte uns auf die Fraueninsel, die wir zu Fuß erkunden konnten, um anschließend beim Klosterwirt das gemeinsame Mittagessen einzunehmen.

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Rechtzeitig bestiegen wir das Schiff um zur Herreninsel zu gelangen. Dort stand die Besichtigung von Herrenchiemsee auf dem Programm. Ein Prunkschloß Ludwig II., dem Märchenkönig, Bewunderer des Sonnenkönigs Louis XIV, womit der Bogen zu unseren französischen Freunden gespannt war. Das Schloß in Versailles diente als Vorbild und sollte dies in Ausführung und Pracht noch übertreffen. Der Spiegelsaal ist länger als das Original und das Paradeschlafzimmer gilt als prächtigstes und teuerstes des 19. Jahrhunderts und schlüge heutzutage mit 3 Millionen Euro zu Buche. Herrenchiemsee sollte das prunkvollste Schloß Ludwig II werden und obwohl weitgehend unvollendet, nur der Mittelbau des geplanten dreiflügeligen Gebäudes wurde fertiggestellt, war die investierte Summe höher als die von Neuschwanstein und Linderhof zusammen. So finden sich auch zu jener Zeit Parallelen zu heutigen Großprojekten, was Kosten und Fertigstellung anbetrifft.

Für Aufregung sorgte kurz vor dem Ablegen des Dampfers das Schlüsselerlebnis unseres Busfahrers. Erst am Parkplatz konnte das Rätsel gelöst werden und der Fahrt zur Abschlußveranstaltung, die zum Höhepunkt unseres Ausflugs werden sollte, stand nichts mehr im Wege. Sandrine hatte einen typisch bayrischen Abend versprochen und die Landjugend von Pürten stellte ihre stilecht umgebaute Festscheune zur Verfügung.

Unzählige Versuche waren notwendig, um das bereitgestellte Bierfäßchen anzustechen und damit das Fest zu eröffnen. Der örtliche Akkordeonspieler sorgte für eine ausgelassene Stimmung, von der wir uns gerne anstecken ließen und die jugendlichen Trachtengruppen waren bei ihren Tanzeinlagen mit besonderem Eifer bei der Sache. Auch der Auftritt der Schuhplattler wurde mit lang anhaltendem Beifall bedacht.

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Die Trachten sorgten bei unseren französischen Gästen für große Bewunderung und die Speicherkarten der Kameras wurden bis zum Rande gefüllt.

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Für das leibliche Wohl war bestens gesorgt, man hatte uns ein mit Semmelknödelteig gefülltes Spanferkel angerichtet. Dazu wurde hausgemachter bayrischer Kraut- und Kartoffelsalat angeboten. Nicht nur wir Abstatter, auch die Léhoner waren von der Zubereitung und dem Geschmack vollkommen begeistert. Zu später Stunde wurden wir ins Freie gebeten, um den Auftritt von 2 Goasl-Schnalzern zu erleben, die mit ihren Peitschen und lautem durchdringendem Knallen unseren Akkordeonspieler rhythmisch begleiteten. Verschiedene Versuche der Festteilnehmer dies nachzumachen, scheiterten zumeist kläglich. Die Landjugend, die dieses Fest ausgerichtet und uns auch bewirtet hatte, war immer mit Feuereifer darum bemüht, uns einen richtig schönen Abend zu gestalten und man sah den jungen Leuten an, wieviel Spaß sie selbst an unserem Festabend hatten. In dieser Region wird die dörfliche Gemeinschaft noch sehr gepflegt.

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So bleibt die Erkenntnis, dass der bayrische Himmel nicht immer weiß-blau erstrahlt, die Welt darunter sich aber wohltuend traditioneller dreht.

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Viel zu schnell ging dieser schöne Abend zu Ende und nachdem sich die Vorsitzenden beider Partnerschaftsvereine bei Sandrine mit einem kleinen Geschenk für die perfekte Organisation des gesamten Ausflugsprogramms und ihren unermüdlichen Einsatz bedankt hatten, machten wir uns auf die Heimfahrt zu unserem Hotel.

Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen von unseren Freunden aus der Partnergemeinde, die sich als erste auf den langen Heimweg machten. Alle wurden noch einmal gedrückt und gebusselt und am Ende winkten wir Abstatter dem Bus lange nach.

Ein ganz besonderes Dankeschön gilt neben den Vorsitzenden unserer Partnerschaftsvereine Sandrine, die diesen Ausflug bis ins Detail perfekt vorbereitet und begleitet hat. Es ist ihr gelungen, uns ihre neue bayrische Heimat eindrucksvoll nahe zu bringen.

Danke auch an Volker, unseren Busfahrer, der uns wie gewohnt sicher an alle Zielorte gebracht hat. Er hat sich ein neues Schlüsselmäppchen redlich verdient. Nicht vergessen sollten wir auch unsere Léhoner Freunde, die die strapaziöse Fahrt auf sich genommen haben, um gemeinsam mit uns ein paar schöne Tage zu verbringen.

WS