Kahemba

Kahemba, unsere Partnerstadt in der Demokratischen Republik Kongo…

Karte

Unsere ersten Kontakte. Ein Bericht von Annette Jacob.

Kahemba – Les premiers pas du jumelage.pdf
(Traduction en français de l’article d‘ Annette Jacob)

Mitte der achtziger Jahre lernen während eines Aufenthaltes in Léhon  einige Mitglieder des Partnerschaftsvereins den bretonischen Pater Père Raymond kennen. Dieser Mann arbeitete zur damaligen Zeit für die katholische Missionsgesellschaft „Missions Africaines“ in der Demokratischen Republik Kongo (ehem. Zaire). Sein Einsatzort Kahemba liegt im Südwesten dieses zentralafrikanischen Staates, nicht weit von der angolanischen Grenze entfernt. Sein Herz schlägt für die Afrikaner seiner Mission, und er regt an, partnerschaftlich zusammenzuarbeiten.

Im September 1989 fliegen Bernd und Uwe Petruschka zusammen mit Jacques Pichon und dem damaligen Bürgermeister von Léhon, Monsieur Hervé in den Kongo. Von der Hauptstadt Kinshasa aus erreichen sie nach strapazenreicher Fahrt über 900 km Urwaldpisten den Ort Kahemba.  Sie treffen Père Raymond und seine Mitarbeiterin Soeur Madeleine, eine französische Ordensschwester. Kontakte mit der Bevölkerung und der Verwaltung werden geknüpft, und man kann sich vor Ort über die Lebenssituation und die Bedürfnisse der Bevölkerung informieren.

Im Juni 1990 kommt Père Raymond nach Abstatt und berichtet dem Partnerschaftsausschuss über seine Tätigkeit in Kahemba. Spendengelder aus Léhon und Abstatt für den afrikanischen Landfrauenverein und eine Initiative zur Fischzucht und Rinderzucht werden dankbar angenommen.

Spannend wird es, als nach längerem Kampf mit der deutschen Botschaft in Kinshasa  zwei Kongolesen im August 1996 zu Besuch nach Abstatt kommen.

Es sind Pidi Kashiaye, der Vorsitzende des afrikanischen Partnerschaftskomitees und Kolawoma Kabongo, der Direktor der Volksschule Mukongo in Kahemba und ehrenamtlicher Rotkreuzhelfer.

Aufgenommen und betreut werden sie von  Roswitha und Bernd Petruschka. Sie absolvieren ein umfangreiches Besichtigungs- und Bildungsprogramm: Rektor Hofmann führt die Gäste durch die in den Sommerferien leider verwaiste Grundschule, Roswitha Petruschka zeigt ihnen das Berufsschulzentrum in Böckingen. Die Afrikaner staunen über die reichhaltige Ausstattung der Schulen mit Werkstätten und sogar einem Gewächshaus! Bei dem Einkaufsbummel durch Heilbronn verbringen sie Stunden im Horten-Kaufhaus. Bei dem Besuch im Salzbergwerk in Bad Friedrichshall würden sie am liebsten händeweise die Salzbrocken mit in ihre Heimat nehmen, Salz gehört dort zu den teuersten Lebensmitteln. Ein Industriebetrieb (Firma Läpple), das Krankenhaus am Plattenwald und ein landwirtschaftlicher Betrieb werden besichtigt. Im katholischen und auch im evangelischen Gottesdienst berichten die Afrikaner über die Lebensbedingungen in ihrer Heimat. Im Laufe des zweiwöchigen Aufenthaltes bekommen sie viele Geld- und Sachspenden. Von einem Teil wird eine Motorsäge gekauft.

Die dritte Woche verbringen die Afrikaner in Léhon, wo sie das Fête des Remparts miterleben.  Bei einem Ausflug an die Küste sehen sie zum ersten Mal das Meer.

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Am Strand von Dinard interessieren sie sich für alle essbaren Meeresfrüchte und probieren Austern. Sie bestaunen den riesigen Unterschied zwischen Ebbe und Flut.

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Anfang September fliegen sie in ihr Land zurück. In den Weihnachtsgrüßen an Bürgermeister Braun und alle Abstatter  bedankt sich Pidi nochmals überschwänglich für die Unterstützung und Freundschaft der Bevölkerung. Drei Jahre später stirbt Pidi, seine sechs Kinder sind nun Vollwaisen.

Leider verschlechtert sich die politische Situation in den folgenden Jahren dramatisch. Die Republik versinkt im Chaos, Präsident Mobutu verlässt das Land und Kabila kommt an die Macht. Unsere Briefe sind sechs Monate und länger unterwegs, manche Briefe kommen überhaupt nicht an. Eine geplante Sendung mit Hilfsgütern kann wegen der undurchsichtigen Lage nicht durchgeführt werden.

Der einzige Briefkontakt besteht nur noch zwischen Kolawoma und Familie Jacob.  Mein Briefpartner beklagt in einem Brief vom Juli 2003, dass er schon seit Monaten sein Lehrergehalt von acht Dollar pro Monat nicht mehr bekommen hat. Er weiß nicht, wie er das Schulgeld für seine Kinder bezahlen soll.

Leider gibt es noch keine verlässliche Bankverbindung nach Kahemba. Spendengelder vom Partnerschaftsverein sind für Hilfsprojekte zur Selbsthilfe vorgesehen (Schulen, Seminare zur Arzneiproduktion aus tropischen Pflanzen, Landfrauenverein, Wasserleitungsprojekt…).

Wir müssen warten, bis sich die Lage stabilisiert hat. Zur Zeit warnt das Auswärtige Amt vor Reisen in das Land. Bewaffnete Auseinadersetzungen befürchtet man vor allem für die kommenden Monate wegen der geplanten Parlamentswahlen im Juni 2006.

Wir warten schon seit Monaten auf ein Lebenszeichen aus Kahemba. Es gibt wohl zur Zeit keine Europäer, die Briefe nach Europa mitbringen und dann dem europäischen Postbetrieb überlassen.

Vielleicht gibt es bis zum Partnerschaftsjubiläum Neuigkeiten, die wir dann am Infostand über Kahemba veröffentlichen können.

Annette Jacob (Juni 2006)