Geschichte

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Wie alles begann…Entstehung: Der erste Kontakt

Urkunde

Immer mehr Gemeinden im Lande begründeten Anfang der 80er Jahre Partnerschaften mit Gemeinden im Nachbarland Frankreich.

So war es nicht außergewöhnlich, dass auch in der Gemeinde Abstatt entsprechende Bestrebungen in Gang gesetzt wurden. Federführend waren die Eheleute Klaus und Sylviane Schiedewitz und Günter und Ute Manz.

Über die internationale Bürgermeister-Union für deutsch-französische Verständigung und europäische Zusammenarbeit konnte ein erster Kontakt zu der Gemeinde Léhon in der Bretagne hergestellt werden.
Die Lehoner waren zur gleichen Zeit ebenfalls auf der Suche nach einer Partnergemeinde in der Bundesrepublik Deutschland. Was sie von der Kontaktadresse über Abstatt erfuhren hörte sich gut an. So lag es auf der Hand, dass sich die Lehoner Verwaltungsspitze Abstatt einmal ansehen wollte.

Am Samstag, 28. Juni 1980 zwischen 11.00 und 12.00 Uhr kündigten die Gäste ihre Ankunft vor dem Abstatter Rathaus an. Mit welchem Verkehrsmittel die Abordnung nach Abstatt kommt und mit wie viel Personen, das war nicht bekannt.

Auf Abstatter Seite wurde ein Empfangskomitee gebildet. Es bestand aus dem Bürgermeister und den Eheleuten Schiedewitz und Manz und sollte sich pünktlich um 11.00 Uhr im Rathaus einfinden. Gegen 10.45 Uhr fuhr der Bürgermeister mit seinem Fahrrad aufs Rathaus zu. Schon von weitem sah er, dass vor dem Rathausbrunnen vier elegant gekleidete Personen standen. Es konnten nur die französischen Gäste sein. Im ersten Augenblick dachte er an weiterfahren. Er versteht ja kein Französisch und Sylviane Schiedewitz als Dolmetscherin ist auch noch nicht da. Doch beherzt fährt er auf die vier zu, steigt ab und begrüßt die Gäste mit bonjour madame, bonjour monsieur.

Es sind Bürgermeister Georges Herve mit Frau und seine 1. Stellvertreterin Frau Marie Labbé mit Mann. Sie konnten ihre Verwunderung kaum verbergen, dass das der Bürgermeister von Abstatt sein soll, der da mit dem Fahrrad ankommt. Ebenso verwundert waren sie darüber, dass sie um 9.00 Uhr noch in Paris, um 10.00 Uhr in Stuttgart und um 10.45 Uhr in Abstatt waren.
Zum Glück stellte sich heraus, dass Monsieur Labbé gut deutsch sprach und die Verständigung ganz gut klappte. Inzwischen waren auch die Mitglieder der Kommission zur Vorbereitung der Partnerschaft mit einer französischen Gemeinde eingetroffen so dass auch die deutsche Seite komplett vertreten war. In den zwei Tagen ihres Aufenthalts besichtigten die Gäste sämtliche Einrichtungen der Gemeinde, unternahmen Ausflüge in die nähere Umgebung, probierten 15 verschiedene Weine in der Weinkellerei Wangler und besichtigten die Möbelfabrik Gscheidle. Auf einem Bummel durchs Straßenfest ging es von Stand zu Stand und viele Kontakte wurden geknüpft. Kurz nach Mitternacht vereinbarten die Gäste mit Pfarrer Höhnle am Pußta-Stand noch den Besuch der Frühmesse in der Stephanuskirche.

Bei ihrem Abschied betonten die Gäste immer wieder, dass die Freundlichkeit und die Geselligkeit der Abstatter Bevölkerung, die sie beim Straßenfest erlebten, positive Ansätze bieten, alsbald zum Abschluss einer Partnerschaft mit Léhon zu kommen. Inzwischen waren 4 Monate vergangen. In Abstatt war man in Sachen Partnerschaft mit Léhon nicht untätig. Ein Partnerschaftsausschuß wurde gegründet. Vorstand wurde Klaus Schiedewitz.
Alsbald stellte er fest, dass man in Léhon intensiv am Zustandekommen der Partnerschaft arbeitete. Gleiches wurde in Abstatt in Gang gesetzt. Dazu gehörte auch die Vorbereitung für den Gegenbesuch.
Eine achtköpfige Delegation machte sich am Freitag, dem 17. Oktober 1980 auf den Weg nach Léhon. Sie bestand aus den Eheleuten Berret, Manz, Mössinger und Schiedewitz. Die Fahrt erfolgte in einem Kleinbus, den freundlicherweise die Firma Losberger zur Verfügung stellte.

In Kaiserslautern gab der voll beladene Bus seinen Geist auf. Aus dem Bestand der Geschenke für die Gastgeber musste für den Firmenchef der Autowerkstatt eine Kiste Wein geopfert werden, damit er überhaupt bereit war, die Reparatur unverzüglich vorzunehmen.
Mit drei Stunden Verspätung und bei strömenden Regen erreichte die Abordnung schließlich Léhon. Sie wurde zwar schon recht ungeduldig aber trotzdem überaus herzlich empfangen.

Beim ersten Rundgang in Léhon am Samstagmorgen waren die Abstatter überrascht, wie sich der Ort so malerisch zwischen bewaldeten Anhöhen einfügte. Die Gastgeber hatten ein umfangreiches Programm vorgesehen. Kleiner Empfang im Rathaus, Besichtigung der beiden Schulen mit eingegliederten Kindergärten, Sport-und Festhalle und Sportgelände. 11.30 Uhr großer Empfang im Sitzungssaal des Rathauses mit Mitgliedern des Gemeinderats und des Lehoner Partnerschaftsausschusses. Natürlich durften die Ansprachen nicht fehlen und es wurden kleine Geschenke ausgetauscht.
Nachmittags stand die Besichtigung des Klosterhofes und der Kirche, sowie das Haus des Seniorenclubs auf dem Programm. Dieser hatte auf den Abend in der Festhalle ein großes Fest mit einem bunten Programm organisiert. Ca. 900 Lehoner fanden sich ein und die Abstatter Delegation wurde herzlich empfangen. Es gab Gelegenheiten zu ersten Kontakten mit Lehoner Familien.

Vor der Rückreise am Sonntag, dem 19. Oktober 1980, schnell noch einen Abstecher ans Meer. Dann die Stunde des Abschieds von den französischen Gastgebern mit dem Gefühl, neue Freunde gewonnen zu haben. Aktivitäten bis zur Gründung des Partnerschaftsvereins : Der Partnerschaftsgedanke wurde im Ortskartell geboren, einer Einrichtung in der die Repräsentanten der örtlichen Kirchen, Institutionen, Organisationen und Vereine vertreten sind.

15.06.1979: Der Gemeinderat und 80 persönlich eingeladene Einwohner von Léhon entscheiden sich für eine Partnerschaft mit einer Gemeinde in der Bundesrepublik Deutschland und gründen einen Partnerschaftsausschuß.

07.03.1980: Die Gemeinde Abstatt schreibt an Léhon und zeigt Interesse an einer Partnerschaft.

26.03.1980: Der stellvertretende Bürgermeister von Léhon Madame Labbé, schickt Prospektmaterial von Léhon nach Abstatt.

31.03.1980: Die Mitglieder des Partnerschaftsausschusses von Léhon beschließen einstimmig mit Abstatt eine Partnerschaft einzugehen. Dies teilt der 1. Vorsitzende des Partnerschaftsausschusses, Jean-Michel Depagne mit Schreiben vom 3.4.80 dem Bürgermeister der Gemeinde Abstatt mit.

26.06.1980: Der erste persönliche Kontakt findet statt. Bürgermeister Herve mit Frau und Madame Labbé mit Ehemann treffen in Abstatt ein. Sie nehmen am Straßenfest teil und lernen Abstatt kennen. Zum Gegenbesuch im Oktober 1980 wird eingeladen.

14.07.1980: Im Ortskartell wird die Gründung eines Partnerschaftsausschusses beschlossen.

08.09.1980: Der Partnerschaftsausschuß wird gegründet. Seine Hauptaufgabe ist es, die Partnerschaftsbemühungen zu vertiefen und beim Zustandekommen mit Leben zu erfüllen.

18./19.10.1980: Die Eheleute Berret, Manz, Mössinger und Schiedewitz fahren nach Léhon. Die Gastfreundschaft ist überaus herzlich. Das Prozedere für das Zustandekommen der Partnerschaft wird festgelegt.

Urkunde

18.-30.5.1981: 54 Lehoner kommen zur Partnerschaftsfeier nach Abstatt. Im Rahmen der Feierlichkeiten werden die Partnerschaftsurkunden unterzeichnet, Ortstafeln enthüllt und 3 Tannen in Happenbach gepflanzt. Der gesellige Teil gipfelt in einem Partnerschaftsball. An der Partnerschaftsfeier nehmen u.a. teil: Madame E. Pelisier als Vertreterin des franz. Generalkonsulats in Stuttgart und Landrat Otto Widmaier.

23.9-27.9.1981: 75 Abstatter reisen zur Partnerschaftsfeier nach Léhon. Grundschüler in der Bretagne “Dort möchte ich unbedingt noch einmal hin.” So oder ähnlich mag es wohl in manchem Elternhaus geklungen haben, nachdem der Filius oder das Töchterchen seine Berichterstattung von einer unvergesslichen Woche in Abstatts bretonischer Partnergemeinde Léhon beendet hatte. Die vom gastgebenden Partnerschaftsverein ermöglichte und in zweijährigem Turnus stattfindende Erlebniswoche bot den 50 Kindern und 15 Betreuern auch heuer Programmbestseller am laufenden Band. Bereits am ersten Besuchstag wurde gemeinsam mit den Kindern von einer der beiden Lehoner Schulen der Mont St. Michel besichtigt. Dieses “Wunder des Abendlandes”, wie der riesige Granitblock von etwa 900 m Umfang und 80m Höhe genannt wird, faszinierte alle Teilnehmer; und bei der Führung durch zwei dortige Klostermuseen gewannen die schwäbischen Gäste einen Einblick in die für die Erstellung eines solch prachtvollen Bauwerks fast unvorstellbare Herkulesarbeit. Auch Cancale, bedeutendstes Zentrum der französischen Austernzucht, war einen Abstecher wert, denn während einer anschaulichen Führung erfuhren die schwäbischen Landratten einiges über diese muschelartigen Delikatessen.

Groß im Rennen waren natürlich Kontaktaufnahme und erste internationale Sprechversuche, die trotz Sprachbarrieren bewiesen, dass man sich auch mit allerlei Gestik und Mimik dem Gesprächspartner ein bisschen verständlich machen kann, wenigstens so viel, um durch gegenseitigen Adressenaustausch künftige Brieffreundschaften zu ermöglichen.

So sind diese Aufenthalte seit 1988 immer wieder fruchtbare Mosaikstücke einer pulsierenden Partnerschaft, wie sie ganz dem Wunsch der beiden Jumelage-Vorsitzenden Jaques Pichon und Bernd Petruschka entspricht.
Überhaupt stand der ruhige bretonische Präsident sehr hoch im Kurs bei den Abstatter Kindern. Zusammen mit seinen Jumelage-Mitgliedern zeichnete er nicht nur verantwortlich für das Gesamtprogramm, zu dem wie immer Schul-und Klosterbesichtigung, Rathausempfang und Einladung beim Seniorenclub zählten, auch als Begleiter beim Tagesausflug zur Ile de Bréhat gewann der charmante Bretone rasch die Sympathie des schwäbischen Jungvolks. Auch brachte der Trip auf diese Insel, die dank ihrer malerischen Küste wohl eine der schönsten Gegenden der Bretagne ist, vielen Kindern Ersterlebnisse besonderer Art: das Meer mit seinem wechselvollen Spiel der Gezeiten, Sandburgenbau, Muscheln-Schnecken -und Krebsesammeln und natürlich Strandspiele jeglicher Art. Die Schar aus dem Schozachtal kam hier voll auf ihre Kosten, und die Stunden am Strand vergingen wie im Flug.
Doch nicht nur Strand und Meer bot den 10-jährigen Grundschülern Neues und Interessantes, auch die berühmte Seefahrer-und Hafenstadt St. Malo mit seiner mächtigen Stadtmauer oder das mittelalterliche Dinan mit seinen engen Gassen und sehenswerten Häusern stand in der Gunst der Abstatter Truppe. Beim Marktbesuch in Dinan wurde beim Kauf von Mitbringsels für die Familie der Umgang mit französischem Geld geübt, Preise wurden verglichen und kräftig gefeilscht, bevor man eine Sonnenbrille, ein Kettchen oder allerlei Krimskrams kaufte.
Was wäre im Übrigen ein Aufenthalt in der Bretagne, ohne sich die berühmten Crêpes, jene dünnen, gesüßten Eierpfannkuchen, munden zu lassen. Schon zur Tradition bei den partnerschaftlichen Besuchern gehört deshalb auch ein Crêpes-Abend, der, umrahmt von einem kleinen Programm der Abstatter Kinder, deutsch-französische Freundschaft lebendig macht, zu Gesprächen anregt und vor allem den Schülern wiederum Möglichkeiten zum “sprachfreien Dialog” eröffnet.
Dass man in einer solchen Gemeinschaft auch französisches Liedgut und württembergisches Weingut pflegen kann, bewies schließlich die Abschieds-Soiree, bei der der Abstatter Betreuerstab den Lehonern, die sich eine Woche lang so engagiert um das Wohl ihrer Gäste gekümmert hatten, vom Schwabenland mitgebrachtes Gebäck und Abstatter Wein kredenzen durften. In froher Runde ließ man die zurückliegende Woche noch einmal Revue passieren bevor man sich nach einer kurzen Nacht dankbar und wehmütig zugleich, wieder auf die Reise in die Heimat machte; Erlebnisse und Eindrücke im Koffer, von denen 50 Kinder und 15 Betreuer mit Sicherheit noch lange Zeit erzählen werden.