Ein Brief aus Kahemba

Die Situation in Kahemba ist nach wie vor sehr angespannt. Annette Jacob erhielt am 20.10.2003 folgenden Brief, den wir mit ihrer Erlaubnis hier veröffentlichen dürfen…

21.07.2003

Liebe Annette Jacob,

vielen Dank für Ihren Brief vom 11.11.2002, der mich tief erfreut hat.Uns geht’s gut trotz den Ereignissen, die es in unserem Lande gibt. Unsere Kinder lernen trotz allem. Der Älteste ist auf der Uni und studiert Biologie und Chemie. Er lebt in Kikuit 380 km von uns entfernt.

Der Zweitälteste ist in diesem Schuljahr in der 6. Oberklasse und wird sein Bac demnächst machen. Der Jüngste, unser Bernd, hatte am 29.6. seinen 2. Geburtstag.

Ich freue mich über das Foto von Bernd Jacob und sehe, dass er guter Gesundheit ist. Das ist ein außerordentliches Glück, denn wenn sie in Afrika wären, wären sie vielleicht krank oder schon tot.

Im Augenblick sind alle, die mir die Post nach Europa mitgenommen haben, im 1000 km entfernten Kinshasa. Soeur Madeleine ist endgültig mit Pere Raymond in Europa. Also gibt es nur einen sicheren Weg, nämlich über das Mutterhaus der Nonnen in Crehen.

Bei uns arbeiten wir sehr hart, aber bekommen nicht viel dafür. Ich bin Direktor einer Schule mit 403 Schülern in 9 Klassen und bekomme ein Gehalt von 3300 Fcs congolais, was etwa 8 US Dollar im Monat entspricht.

Wir haben gerade Ferien, aber wir haben noch nicht das Gehalt von Mai, Juni und Juli bekommen. In eineinhalb Monaten werden wir wieder den Unterricht aufnehmen. Wir wissen nicht, wie wir die Rückkehr unserer eigenen Kinder zur Schule bezahlen können.

Die Regierenden bemächtigen sich manchmal unserer Gehälter und werden aber nicht dafür bestraft. Das ist eben das große Elend, das wir jetzt schon die ganzen Jahre seit 1991 bis zum heutigen Tage erleben.

Die Reichen schicken ihre Kinder nach Europa zum Studieren. Ich glaube nicht, dass wir eines Tages eine Regierung bekommen, die unsere Situation mit den Gehältern meistern wird, das ist nur ein Traum.

In unserer Gegend gab es zum ersten Mal einen Tornado, 50 Leute sind dabei umge-kommen, es gab viele Verletzte und 1000 Familien haben ihre Häuser verloren.

Also ich habe Ihnen geschrieben, um ein Lebenszeichen zu geben. Wir sind Gott sei Dank bei guter Gesundheit, aber führen ein Leben, das ein Europäer nicht annehmen oder gar ertragen würde.

Dass Gott euch mit seiner Gnade schützen möge ….

Viele Grüße von Ihrem Freund   Kolawoma Kabongo